Eifel, Deutschland · 2020 — 2021
Der Auftrag
Im April 2020, während des ersten pandemiebedingten Lockdowns, besuchte Ute Günther erstmals ein Hotel mit Drei-Michelin-Sterne-Restaurant in der Eifel. Das Haus war geschlossen. Der Auftrag war umfassend: keine Auffrischung, sondern eine vollständige Neuerfindung.
Als allein verantwortliche Innenarchitektin entwickelte Ute Günther das gesamte Raumkonzept, erstellte sämtliche technischen Zeichnungen, spezifizierte sämtliche Materialien und die gesamte Ausstattung, koordinierte alle Gewerke und leitete die Umsetzung über vier Etagen hinweg. Sie führte das Projekt vom ersten Ortstermin bis zur Übergabe in eigener Verantwortung. Ihr Sohn Noah begleitete sie während verschiedener Projektphasen in Dreis. Er dokumentierte den Projektverlauf, diskutierte Entscheidungen mit ihr und unterstützte bei der Montage und Installation der Einrichtung. Die Bauarbeiten liefen von Dezember 2020 bis März 2021. Das Projekt wurde termingerecht abgeschlossen.
3
Michelin-Sterne · Höchstes Gastronomie-Niveau in Deutschland
19→15
Zimmer über vier Etagen · 11 Standardzimmer + 4 Suiten
11
Monate vom ersten Ortstermin bis zur Fertigstellung
1
Innenarchitektin · Allein verantwortlich, vom ersten Ortstermin bis zur Übergabe
Kapitel 01
Das bestehende Gourmetrestaurant war das Ergebnis jahrzehntelang gewachsener Einzelentscheidungen: roter Teppich, schwere Vorhänge, goldene Kronleuchter und cremefarbene Wandvertäfelungen mit vergoldeten Details. Jedes Element war für sich hinzugekommen. Nichts fügte sich zu einem stimmigen Ganzen. Für eine Küche auf höchstem Niveau in Deutschland wurde dieser Raum der Qualität des Essens nicht gerecht.
Ein maßgeschneidertes Wandkonzept, eine integrierte Sitzbank, sorgfältig ausgewählte Leuchten und ein eigens entworfener Guéridon (Serviertisch) bilden ein Ensemble, in dem jedes Element präzise auf seinen Ort und seine Funktion abgestimmt ist. Die Metallarbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit Berthold Hoffmann in Nürnberg, die Einbaubank fertigte die Schreinerei Mohnen.
Der eigens entworfene Servierwagen mit Hi-Macs-Platte und Messingrahmen wurde für den anspruchsvollen Restaurantbetrieb entwickelt. Die fleckunempfindliche Oberfläche erfüllt höchste funktionale Anforderungen, während der Messing-Raumteiler die einzelnen Bereiche gliedert, ohne die räumliche Abfolge zu unterbrechen. Die Metallarbeiten des Servierwagens und Raumteilers wurden von Berthold Hoffmann in Nürnberg ausgeführt, die Verarbeitung der Hi-Macs-Platte übernahm die Schreinerei Mohnen.
Kapitel 02
Die Hotel-Lounge war das Ergebnis jahrzehntelang gewachsener Einzelentscheidungen: roter Teppich, barocker Kronleuchter, dunkle Deckenvertäfelung und Ölgemälde in vergoldeten Rahmen. Der Raum erinnerte eher an eine Jagdhütte als an einen Ort, an dem man gerne verweilt. Das neue Konzept führte eine nahtlos integrierte LED-Voutenbeleuchtung ein, die den Raum in weiches, diffuses Licht taucht und ihm Tiefe, Wärme und eine ruhige Atmosphäre verleiht. Herzstück der Lounge sind die dunkel lackierten Einbaumöbel mit integriertem Humidor. Symmetrisch angeordnete Schränke mit Schiebetüren rahmen das Möbel ein und geben den Blick auf eine sorgfältig kuratierte Spirituosenauswahl frei. Botanische Tapeten und ausgewählte Möbel – nicht wegen ihrer historischen Anmutung, sondern aufgrund ihrer Materialität und Qualität – vervollständigen das Raumkonzept.
Maßgefertigte Einbaumöbel mit integriertem Humidor, flankierenden Schränken mit Schiebetüren und nahtlos integrierter LED-Beleuchtung. Entwurf und Ausführungsplanung: Ute Günther Spaces. Ausführung: Schreinerei Mohnen. Das Möbel ersetzt die über Jahrzehnte gewachsene Jagdhütten-Atmosphäre durch eine ruhige, zeitgemäße Präsenz.
AUSFÜHRUNGSZEICHNUNG DER LOUNGE-EINBAUMÖBEL MIT TAPETENSPEZIFIKATION, LED-POSITIONEN, HUMIDOR UND SCHIEBETÜR-SCHRÄNKEN. ENTWURF UND TECHNISCHE PLANUNG: UTE GÜNTHER SPACES. GEFERTIGT VON SCHREINEREI MOHNEN.
Kapitel 03
Der Frühstücksbereich erhielt die gleiche gestalterische Aufmerksamkeit wie das Gourmetrestaurant. Maßgefertigte Einbauschränke in Waldgrün mit Messingbeschlägen sowie eine eigens entworfene Buffetinsel ersetzten die bestehende Möblierung. Sämtliche Einbauten wurden in Hi-Macs ausgeführt und speziell für die Anforderungen des täglichen Frühstücksservices entwickelt. Das Ergebnis ist ein funktionaler und zugleich ruhiger Raum, der den Auftakt des Tages ebenso selbstverständlich wie hochwertig begleitet.
Messingdetails an Leuchten, maßgefertigten Regalen und der Buffetinsel verbinden die einzelnen Elemente zu einer stimmigen Gesamtkomposition. Schrankbau und Hi-Macs-Verarbeitung: Schreinerei Mohnen.
VORHER: DER FRÜHSTÜCKSBEREICH MIT ROTEM TEPPICH UND HOLZSTÜHLEN. DIE VORHANDENEN STÜHLE WURDEN NEU GEPOLSTERT UND BEWUSST IN DAS NEUE GESTALTUNGSKONZEPT INTEGRIERT – ALS BEITRAG ZU NACHHALTIGKEIT UND KONTINUITÄT.
AUSFÜHRUNGSZEICHNUNG DER EINBAUSCHRÄNKE DES FRÜHSTÜCKSBEREICHS MIT MATERIALANGABEN UND BEMASSUNG. ENTWURF UND TECHNISCHE PLANUNG: UTE GÜNTHER SPACES. AUSFÜHRUNG: SCHREINEREI MOHNEN.
Kapitel 04
Über vier Etagen hinweg wurden 19 Hotelzimmer zu 15 neu konzipierten Zimmern zusammengeführt: elf Standardzimmer und vier Suiten. Die Standardzimmer erhielten großzügigere Bäder, von denen mehrere durch bauliche Erweiterungen in angrenzende Räume vergrößert wurden. Die vier Suiten entstanden durch die Zusammenlegung bestehender Zimmer. Jede wurde als eigenständiger Ort mit einer individuellen Material-, Farb- und Tapetenkonzeption entworfen – damit Gäste das Gefühl haben, an einem unverwechselbaren Ort anzukommen, nicht in einem austauschbaren Hotelzimmer.
Jedes Zimmer wurde als eigenständiger Ort entworfen. Farbpalette, Materialien, Tapeten und Möblierung bilden ein ganzheitliches Konzept – nicht eine Zusammenstellung einzelner Produkte.
Botanische Tapeten, ovale Messingspiegel, schwebende Waschtische aus Eiche und bodengleiche Duschen ersetzten goldfarbene Armaturen, veraltete Fliesen und Badewannen. Jedes Bad wurde vollständig neu gestaltet; mehrere konnten durch bauliche Erweiterungen in angrenzende Räume großzügig vergrößert werden.
Die ursprünglichen Hotelzimmer und Bäder vor dem Umbau: über Jahre gewachsen, funktional, jedoch ohne klare gestalterische Identität.
Die Architektur
Über vier Etagen hinweg wurde die Raumstruktur des Hauses grundlegend neu gedacht. Insgesamt entstanden aus 19 Hotelzimmern 15 neu konzipierte Zimmer: elf Standardzimmer und vier Suiten. Das gezeigte Obergeschoss veranschaulicht exemplarisch, wie bestehende Zimmer zusammengelegt und Bäder durch gezielte Eingriffe in die Grundrisse vergrößert wurden.
Vorher — Obergeschoss
19 HOTELZIMMER MIT KLEINEN, SEPARATEN BÄDERN. KEINE SUITEN.
Nachher — Obergeschoss
15 NEU KONZIPIERTE ZIMMER: ELF STANDARDZIMMER UND VIER SUITEN. MEHRERE BÄDER WURDEN DURCH GRUNDRISSANPASSUNGEN VERGRÖSSERT – GRÜN HERVORGEHOBEN.
"Design with soul."
Ute Günther Spaces